Vielleicht ist die Möglichkeit, Schuld auf sich zu laden, unausweichlicher Teil des Menschseins. Doch Schuld und Verantwortung sind nicht dasselbe.
Schuld entsteht durch unser Handeln. Verantwortung zeigt sich darin, wie wir mit dessen Folgen umgehen.
Wer seine Schuld erkennt, hat noch nichts verändert. Selbstreflexion allein macht begangenes Unrecht nicht ungeschehen, und Reue schützt nicht davor, es zu wiederholen.
Auch erlittenes Leid rechtfertigt kein neues Leid. Rache überwindet keine Schuld, sondern schafft weitere.
Vielleicht liegt die wahre Tragik des Menschseins nicht darin, dass er zum Bösen fähig ist, sondern darin, dass er es erkennen, verstehen und verurteilen kann – und sich dennoch dafür entscheidet.